Spam Dich, Text!
19.10.2008 von Textcouch
“Sie Ihren Fuhrpark ab sofort noch professioneller als je zuvor”
Hm. Was will mir diese Betreffzeile, die gerade in meiner Mailbox auftaucht, genau sagen?
Immerhin: Ich werde neugierig. Und lese weiter. (Ja, selbst schuld, ich weiß)
Oh! Es handelt sich um eine Nachricht “exklusiv für Fuhrparkleiter”. Interessant. Und was soll ich damit? Ich bin Texterin, Bahnfahrerin, Fußgängerin, manchmal auch Autofahrerin, aber einen Fuhrpark leite ich sicher nicht! Vielleicht erfahre ich in der nächsten Zeile, warum man mir schreibt? Da steht:
“Was ärgert Sie am meisten (…)?
Mangelnde Anerkennung? Das Gefühl, auf der Stelle zu treten?
Oder das Risiko, wegrationalisiert zu werden?”
Uuups, eigentlich ärgert mich nur diese E-Mail, ehrlich gesagt. Normalerweise käme SPÄTESTENS jetzt der x-Klick: Spam Dich, Text! Aber ich bin ja neuerdings auf der Suche nach schlechtem Text und hier wittere ich ein Fundstück. Also, tapfer weiter:
“Nehmen Sie jetzt das Ruder in die Hand…
..und managen Sie Ihren Fuhrpark ab sofort professioneller als jemals zuvor!”
Was denn jetzt? Geht es hier um Fahrzeuge oder um Ruderboote? Eigentlich will ich jetzt wirklich nicht weiter lesen. Mal sehen, wieviel da noch kommt und ob da irgendwo steht, was der Absender (von dem es gleich zwei identische Fotos zu sehen gibt) nun von mir will.
ABER HIIIIILFE: es folgen 7 (!!!!) Seiten Text, insgesamt 30.749 Zeichen!!!!
Das lese ich definitv NICHT! Auf keinen Fall. Nicht, wenn das so weiter geht. Und es geht weiter. Unverändert. Also nur noch soviel:
“Im Zentrum meiner Arbeit stehen immer Sie, der Leser.” Ich also nicht?! Das hat die Leserin wohl schon bemerkt! Manchmal spielt Gender eben doch eine Rolle. “Mein Anliegen ist, Ihnen in anschaulicher und praxisnaher Form Nutzwert pur für Ihre tägliche Arbeit zu liefern.” Wo hat sich denn bloß dieser Nutzwert versteckt????
Und jetzt auch noch das:
“In (Name des Produkts) zeige ich Ihnen,
wie Sie es besser machen … (…) Sie sehen, das Prinzip ist gar nicht so schwer. So einfach erkläre ich Ihnen alles, was Sie für (…) wissen müssen.“
Das hört man gern, oder? Endlich mal jemand, der mir, Dummi, zeigt, wie es richtig geht; der mir, Doofchen, ganz einfach erklärt, was ich alles wissen muss.
Zum guten Schluss:
“Ihr besonderer Vorteil: Schon in der kostenlosen Test-Phase haben Sie das Recht, mich über die Redaktions-Hotline zu kontaktieren. Fühlen Sie mir und allen an diesem außergewöhnlichen Informationsdienst Beteiligten auf den Zahn. Stellen Sie Hintergrundfragen. Bohren Sie nach. Holen Sie sich zusätzliche Praxistipps. GRATIS!”
Aaaaah! Jetzt weiß ich ENDLICH, worum es geht: Ein Informationsdienst!
Aber denen jetzt im Mund rumfummeln? Nein, danke. Sollen die armen Mitarbeiter dieses wirklich außergewöhnlichen Dienstes ihren wohlverdienten Feierabend doch lieber mit einem fröhlichen: “Mama, Mama, es hat niemand gebohrt!” beschließen dürfen.

[...] 15, 2008 von Biggi Manchmal ist es uns ein Rätsel, was ein Text sagen will. Manchmal ist es uns ein Rätsel, wie man für so wenig Geld arbeiten kann. Manchmal ist es uns ein [...]