Dann klappt’s auch mit dem Lektorat!
29.10.2008 von Julia Dombrowski
Wer in die Qualität seiner Texte investiert, der wird den Lektoratsprofi am entsprechend hochwertigen Ergebnis erkennen – und damit gegebenenfalls viel Zeit und Geld sparen.
Wenn Sie ein paar Warnsignale beachten und ein Auge für Qualitätsmerkmale entwickeln, dürfen Sie künftig getrost auf den Lektor oder die Lektorin Ihres Vertrauens bauen. Lassen Sie sich von schwarzen Schafen und zweifelhaften Schnäppchen – bei denen Sie mit großer Sicherheit früher oder später sowieso draufzahlen würden – gar nicht erst beirren!
Wie kommen Sie an ein qualitativ hochwertiges Lektorat? Wie sollte ein Angebot aussehen? Wie gestaltet sich im Optimalfall die Kommunikation zwischen Ihnen und Ihrem Dienstleister? Welche Preise sind realistisch? Sind Probelektorate üblich? Erste Antworten darauf möchte dieser Beitrag geben.
Profis finden
Ist gerade keine Empfehlung zur Hand? Macht nichts: Fündig werden Sie auf der Website des Verbands freier Lektorinnen und Lektoren, bei Lektorat.de oder in der Fachfrauendatenbank des Texttreffs.
Lektorate sind keine Korrektorate!
Bitte machen Sie sich vor der Beauftragung klar, welche Art der Dienstleistung Sie überhaupt brauchen: Reine Korrektorate beseitigen – vereinfachend gesagt – Rechtschreib-, Grammatik- und Typografiefehler. Beim Lektorat werden darüber hinaus auch Formulierungen kritisch geprüft; es wird am Stil geschliffen und auf Sinnhaftigkeit gelesen. Sie dürfen Ihren Lektoratsprofi sogar darum bitten, Ihren Text passender auf Ihre Zielgruppe zuzuschneiden. Ja, auch das kann zum Lektorat gehören, sollte aber explizit vor der Beauftragung ausgemacht werden. (Ein richtig guter Lektor wird wahrscheinlich selbst darauf zu sprechen kommen.)
Wenn Sie unsicher sind, was Sie brauchen, dann fragen Sie den Profi einfach. Er wird Sie gerne beraten.
Hand aufs Herz: Wenn Sie sich ein Korrektorat wünschen, der Ursprungstext aber vor Passiv- und Schachtelsatzkonstruktionen sowie merkwürdigen Metaphern wimmelt, dann werden ihn korrekt gesetzte Kommas nicht retten können. Glauben Sie dem Profi das ruhig.
Fachlektorate
Haben Sie einen Text zu bearbeiten, der sich an ein Fachpublikum der Molekularbiologie oder Teilchenphysik richtet? Dann sollten Sie nur spezialisierte Lektoren an Ihr Werk lassen. Die gibt es, und sie sind ebenfalls in den entsprechenden Datenbanken zu finden. Und jedem Anbieter, der eifrig versichert, er habe zwar bislang null Ahnung, aber werde sich schon einlesen, sollten Sie ruhig ein bisschen misstrauisch gegenüberstehen.
Ohne geht’s nicht: Der Text zur Ansicht
Der Lektor wird einen Blick auf Ihren Text werfen müssen, bevor er Ihnen Aufwand und Kosten nennen kann. Mit Ankündigungen wie “Es sind etwa 20 Din-A-4-Seiten, viel Text, wenig Bilder” kann er nichts anfangen. Das ist etwa so, als ob Sie einen Maler fragen, ob er Ihnen eine Mauer streicht – der will sie selbst ausmessen, bevor er einen Kostenvoranschlag machen kann.
Es sind sensible Daten? Dann bitten Sie um eine Vertraulichkeitsvereinbarung oder schwärzen Sie die heiklen Passagen. Der Text ist noch nicht fertig? Auch Fragmente helfen, einen ersten Eindruck zu vermitteln.
Das Angebot
Der Lektor wird Ihnen zunächst ein Angebot machen. Gleichgültig, ob per E-Mail, per Fax oder Post: ein paar Details sollten enthalten sein. Schon allein, damit beide Seiten – Kunde und Dienstleister – von Anfang an wissen, woran sie sind. (Übrigens sind auch mündliche Absprachen bindend, aber vereinfachen den Ablauf nicht gerade.)
- Leistungsbeschreibung: Mir persönlich wäre “Lektorat” als Beschreibung viel zu wenig – ich würde mehr wissen wollen: Welche Überprüfungen umfasst die Arbeit? Werden auch Fußnoten und Bibliografien abgeglichen und ebenso das Inhaltsverzeichnis mit den Seitenzahlen? Wird der Lektor auch ein Auge auf Fehler haben, die der Setzer gemacht hat (die also nicht unbedingt textspezifisch sind)? Wird er auf Papier oder in der Datei korrigieren? Die Liste lässt sich natürlich noch fortsetzen. Was Ihnen wichtig ist, sollte im Angebot enthalten sein.
- Preis: Wenn der Lektor nach Zeit abrechnet, kann er Ihnen eine “von/bis”-Angabe machen (“voraussichtlicher Aufwand 5 bis 8 Stunden à 45 Euro” oder ähnlich). Wenn ein Festpreis ausgemacht wurde, gehört der natürlich auch schriftlich fixiert.
- Lieferfrist: Wurde schriftlich festgehalten, wann die Überarbeitung spätestens wieder bei Ihnen sein soll? Bitte denken Sie dran: Ihr Lektor ist zwischenzeitlich eventuell auf Ihre Mitarbeit angewiesen (vielleicht braucht er Informationen von Ihnen, um inhaltliche Schwachpunkte zu reparieren, oder Sie hatten ihm zunächst noch nicht das komplette korrekturfähige Dokument zur Verfügung gestellt). Es sollte sich eigentlich von selbst verstehen, wird aber in der Praxis trotzdem häufig ignoriert – Lieferfristen lassen sich nur einhalten, wenn die Kommunikation zwischen Auftraggeber und -nehmer sowie der Austausch von Daten reibungslos funktioniert.
Ein Warnsignal: Der Preis
Ich möchte hier kein Klischee à la “Was nichts kostet, ist auch nichts wert” bedienen. Und vielleicht ist es sogar möglich, dass Sie auf Ausbeuter-Plattformen wie MyHammer.de zufällig ein Naturtalent finden, das sich seiner Fähigkeiten gar nicht bewusst ist, und deshalb bedauerlicherweise zum Winziglohn schuftet. Wenn Ihre Frustrationsschwelle sehr hoch ist, probieren Sie das ruhig aus. Wenn Sie Qualität suchen, lassen Sie es lieber.
Ein paar Hausnummern: Für unter 25 Euro in der Stunde kann kein selbstständiger Mensch in Deutschland betriebswirtschaftlich sinnvoll arbeiten. Eher sind Nettopreise ab 40 Euro üblich; Honorare richten sich natürlich auch nach Erfahrung, Ausbildung und Standort. Lektoren, die auf Fachgebiete und -sprache spezialisiert sind, verlangen auch mal das Doppelte.
Es gibt noch vieles zu klären:
- Wie geht es nach dem Angebot weiter?
- Alte oder neue deutsche Rechtschreibung oder gar die neueste?
- “Hilfe, ich weiß nicht, was mein Lektor mit meinem Text gemacht hat!”
- Wie sieht es aus mit Probelektoraten – sind die üblich?
- “Wieso soll ich mit meinem Lektor reden? Der hat dazu doch gar keine Zeit, der soll für mich arbeiten!”
- Das abschließende Korrektorat

Schaut Euch Euren Feed mal im Google-Reader an, das ist total grausam! Qualitativ hochwertige Texte wie Eure haben auch eine ansprechende Präsentation verdient, ohne einen Riesenwust aus auskommentiertem seltsam aussehenden CSS-Zeug.
Dann liegt das wohl am Google-Reader ;-)
In bloglines.com liest sich der Feed einwandfrei!
@buntklicker.de: “Qualitativ hochwertige Texte wie Eure haben auch eine ansprechende Präsentation verdient”
Ja, ohne jede falsche Bescheidenheit war ich derselben Meinung ;-) – deshalb habe ich gegen 18.20 Uhr nochmal an der Formatierung gebastelt. Die zerhauene Version steckte um 18.56 vielleicht noch in deinem Cache? Jetzt ist es präsentabel – für das Suchspiel im “CSS-Zeug” (ah, so heißt das) bitte ich um Entschuldigung! Verzeihung gewährt? ;-)
[...] Lektorin oder der Lektor Ihrer Wahl und Sie haben einander inzwischen vielleicht etwas beschnuppert; ein Angebot liegt bereits vor Ihnen. Der Grundstein zu einer [...]
Liebe Kollegen/-innen,
eine kleine Beckmesserei am Rande:
“Wie kommen Sie an ein qualitativ hochwertiges Lektorat?” -In einem solchen Text sollte so ein Schnitzer nicht vorkommen. “Qualität” heißt “Eigenschaft, Wert”, “qualitativ hochwertig” also “wertmäßig hochwertig”. “hochwertig” allein genügt.
Ein wesentlicher Teil unseres Berufethos besteht doch darin, etwas genauer hinzuhören und nicht jeden Unsinn mitzumachen.
Lieber Herr Abend,
der Punkt geht an Sie (obwohl ich mir lange Gedanken über Ausreden gemacht habe, in denen “Pleonasmus” und “Verstärkung” vorkommen sollten – aber dann sah ich ein, das zählt alles nicht!).
Danke für Ihren Hinweis! Ich werde mir tapfer weiterhin auf die Finger hauen, wenn mich die Versuchung überkommt, auf “Bearbeiten” zu klicken und den Fehler zu tilgen. Verführerische Blog-Software …
[...] vor einiger Zeit in ihrem Textguerilla-Beitrag „Dann klappt’s auch mit dem Lektorat!“ (Teil 1 und Teil 2) ausführlich die vielseitigen und umfangreichen Arbeitsschritte von Lektorinnen und [...]