Die Lektorin oder der Lektor Ihrer Wahl und Sie haben einander inzwischen vielleicht etwas beschnuppert; ein Angebot liegt bereits vor Ihnen. Der Grundstein zu einer wunderbaren Dienstleister-Kunden-Beziehung ist hoffentlich gelegt. Wenn beide Parteien zum Gelingen beitragen, kann eigentlich nichts mehr passieren.
Wie geht es nach dem Angebot weiter?
Sobald Sie das Angebot des Lektors bestätigen (manchen genügt eine mündliche Zusage, andere bitten um eine kurze E-Mail oder ein Fax), kann er loslegen. Obacht! Hier droht eine Falle! Es kommt viel zu häufig vor (gerade, wenn es um eilige Projekte und hastige Abwicklungen geht), dass Kunden denken, die Arbeit habe längst begonnen, einfach weil sie keinen Einspruch gegen das vorliegende Angebot erhoben hatten. Aber: Ohne Auftragsbestätigung kein Auftrag. Bitte gehen Sie sicher, dass beiden Parteien klar ist, dass der Auftrag erteilt wurde (der Profilektor wird das auch sicherstellen, aber wenn sich beide Seiten bemühen, kann gar nichts schiefgehen – doppelt gemoppelt …).
Bei sehr kleinen Textumfängen (zum Beispiel beim Lektorat einer Werbeanzeige) überspringt der Lektor vielleicht die Angebots- und Verhandlungsphase. Dann ist es üblich, dass er nach der telefonischen Absprache (“Was soll bis wann gelesen werden, worauf ist besonders zu achten”) zumindest eine kleine Auftragsbestätigung per E-Mail verschickt.
Das alles dient eben diesem einen simplen Zweck: dem Signal “Der Auftrag wurde erteilt, es kann losgehen”.
Alte oder neue deutsche Rechtschreibung oder gar die neueste?
Es gab die Reform der Rechtschreibreform, vorher und nachher viel hitzigen Streit, es gab Unsicherheiten und dann noch viel mehr Unsicherheiten, und seit dem 1. August 2006 gibt es sozusagen die neueste neue Rechtschreibung, die eher eine neue alte ist … Verwirrend, nicht wahr? Viele Wörter und Ausdrücke sind mittlerweile in mehr als nur einer Variante erlaubt. Was ist, wenn Ihr Lektor ausgerechnet die Schreibungen wählt, die Sie gar nicht mögen?
Ich plaudere für Sie mal aus dem Nähkästchen, aus meinem ganz persönlichen Orthografie-Alltag: Ich mache es mir und meinen Kunden gerne leicht und rege normalerweise an, die Empfehlungen der Duden-Redaktion zu übernehmen. Im Duden der neuesten (also der 24.) Ausgabe sind nämlich jeweils die Varianten, auf die sich eine Menge kluger Köpfe geeinigt haben, markiert. Dem muss man nicht folgen – aber man kann, und das ist sinnvoll. Wenn ein Kunde gar nichts mit der Zusammenschreibung von “sodass” und “sogenannt” anfangen kann, dann besprechen wir das eben (“so dass” und “so genannt” sind ja auch erlaubt) und halten die Ergebnisse auf einer individuellen Schreibweisenliste fest. Hauptsache regelkonform.
Mein Plädoyer: Zerbrechen Sie sich nicht den Kopf, das machen Experten schon seit Jahrzehnten für Sie; vertrauen Sie dem Rat Ihres Lektors und begegnen Sie der Rechtschreibung möglichst leidenschaftslos. (Wenn auch nicht desinteressiert! ;-) )
“Hilfe, ich weiß nicht, was mein Lektor mit meinem Text gemacht hat!”
Das wäre ja mein Albtraum: Ich vertraue jemandem eine Datei mit einem Text an, der mir am Herzen liegt – und dann sehe ich, das Geschriebene hat sich stark verändert, aber ich kann die fremden Eingriffe gar nicht genau benennen.
Das ist so auch gar nicht üblich (es sei denn, dieses Vorgehen wurde explizit ausgemacht). Wenn der Lektor einen Papierausdruck bearbeitet, sind die Eingriffe natürlich unübersehbar: handschriftliche Vermerke auf den Blättern. Aber auch die Textverarbeitungsprogramme haben sogenannte “Track Change Modes” (ich nenne das den “Änderungen verfolgen”-Modus; das ist vielleicht nicht der offizielle Ausdruck, aber ich kann mich damit ganz gut verständigen). Selbst in PDFs können mit der entsprechenden Software sichtbare Eingriffe vorgenommen werden.
Übrigens: Auch diese Details gehören ins Angebot – zumindest schadet es nicht, wenn Sie vor Beauftragung nachfragen, wie und ob der Lektor seine Eingriffe sichtbar macht.
Wenn Eingriffe nachvollziehbar sind, können sie bei Missfallen natürlich auch wieder rückgängig gemacht werden (das ist ja der Witz daran). Dazu im nächsten Abschnitt ein paar eindringliche Worte.
“Wieso soll ich mit meinem Lektor reden? Der hat dazu doch gar keine Zeit, der soll für mich arbeiten!”
Der Lektor ist nicht Ihr Schulmeister, kein Kontrolleur; er sucht nicht nach Ihren Fehlern, um zu beweisen, dass er etwas besser kann als Sie. Nein. Er bildet mit Ihnen ein Team, um gemeinsam mit Ihnen das Beste aus Ihren Texten zu holen. Und er möchte, dass Sie hinter Ihrem Text stehen können, dass es keine fremden Worte sind, die er Ihnen versehentlich in den Mund schiebt. Außerdem soll der Text auf Ihre Zielgruppe zugeschnitten sein. Ich denke, Sie ahnen. worauf ich hinauswill: Wenn der Lektor kein Gedankenleser ist, dann braucht er ein bisschen Input. Und Absprache. Das trifft auf Belletristiklektoren ebenso zu wie auf Werbelektoren. Je eingespielter Sie als Team werden, desto weniger Rücksprache wird nötig sein.
Übrigens: Ihr Lektor hat sich bei den Eingriffen in Ihren Text etwas gedacht. Klar, Sie haben die Möglichkeit, Änderungen wieder rückgängig zu machen (s.o.). Aber gehen Sie mit dieser Möglichkeit nicht leichtfertig um – vielleicht haben Sie nur nicht auf den ersten Blick erkannt, was gegen den “beschleunigten Fortgang einer Reduzierung” oder die “Augenwimper” spricht. Vielleicht hat Ihr Lektor den Sinn eines Ursprungssatzes missverstanden – dann reden Sie drüber. Dem Text hilft es!
Das abschließende Korrektorat
Sie erinnern sich? “Lektorate sind keine Korrektorate” hieß es gestern. Ein lektorierter Text kann noch Tippfehler enthalten – sogar neue, die bei Änderungen überhaupt erst entstanden sind. Je umfangreicher der Text, desto wahrscheinlicher ist das. Ihr Lektor wird sich selbstverständlich bemühen, die Fehlermenge möglichst gering zu halten. Aber gerade lange Text, die in Druck gehen sollen, müssen unbedingt noch Korrektur gelesen werden! Ich erlaube mir, des Nachdrucks wegen extra noch ein zweites Ausrufezeichen zu setzen: !
Manche Lektoren bieten an, das abschließende Korrektorat selbst zu übernehmen. Andere werden Ihnen helfen, den geeigneten Korrektor zu finden. Planen Sie die Zeit und die Kosten unbedingt mit ein.
Sind (kostenlose) Probelektorate üblich?
Ist sie das, die Gretchenfrage? Naja, unter erwachsenen Menschen können wir ja offen miteinander reden: Verständlich, dass Sie wissen möchten, ob der Lektor Ihrer Wahl überhaupt fähig ist. Ja, es gibt schwarze Schafe in der Branche, und ja, mit denen möchten Sie nicht in Berührung kommen. Aber es gibt auch Restaurants, die schlechtes Essen servieren – trotzdem verlangt niemand erstmal ein kostenloses Probeessen.
Wenn Ihr Auftragsvolumen sehr umfangreich ist und der Lektor das Projekt sehr spannend findet, wird er vielleicht ein oder zwei Seiten umsonst für Sie lektorieren. Vielleicht! Wenn jemand allerdings sogar bereit ist, gleich ein ganzes Kapitel gratis zu bearbeiten, dann würde er auf mich entweder sehr verzweifelt wirken (was Mitleid in mir auslösen, aber mir nicht gerade Vertrauen schenken würde) oder sehr branchenfremd.
Natürlich ist überhaupt nichts gegen bezahlte Probelektorate einzuwenden. Aber selbst dieser Schritt kann oft übersprungen werden, wenn eine hochkarätige Referenzenliste zeigt, dass Ihr Gegenüber vom Fach ist.
Noch Fragen? Wie praktisch, dass ein Blog interaktiv ist – und hier lauter Lektor/-innen gerne auf Zweifel, Einwände und Unklarheiten antworten werden!


[...] Wie geht es nach dem Angebot weiter? [...]
Insbesondere bei Diplomarbeiten etc. ist meiner Meinung nach ein guter und vor allem günstiger (die armen Studenten) Korrektor wichtig.
Ein kleiner Tipp dazu:
http://www.kommasetzer.de
Dort kann man alle Art von Texten von Profis gut und günstig Korrektur lesen lassen. Bieten Lektorat, Übersetzungen und vieles mehr an.
Einfach Auftrag einstellen, professionelle Korrektoren können Angebote abgeben und man sucht sich aus allen das Günstigste und Beste raus.
Oh Gott ja, mir kommen die Tränen, wenn ich an die armen, armen Studenten denke. Da ist wirklich “gut und günstig” gefragt – ach nein, Verzeihung, gut und VOR ALLEM günstig.
Einen Duden können sich selbst die “armen Studenten” durchaus leisten – oder in der Unibibliothek für umme reinschauen. Will sagen: Niemand muss eine fehlerhafte Abschlussarbeit abgeben, weil ihm das Geld fehlt. Wenn Studenten aber Profiunterstützung suchen, müssen sie auch Profipreise zahlen. Und dass “das Günstigste” meist alles andere als “das Beste” ist, naja, das ist eine alte Binsenweisheit. Im schlimmsten Fall zahlen die armen Studenten dann sogar noch drauf – und das gönne ich erstmal keinem.
[...] Dann klappt’s auch mit dem Lektorat, Teil 1 und Teil 2. [...]