Offener Brief eines freien Journalisten.
02.02.2009 von textdeluxe
Preisdumping ist für Freie ein altbekanntes Problem. Haben es professionelle Werbetexter noch vergleichsweise leicht, sich von schreibenden Schülern, die sich mit Keyword-Texten für Linkfarmen zwei oder drei Euro dazuverdienen, abzusetzen, scheint ein Preiskrieg im Journalismus freien Kollegen ordentlich zuzusetzen, so dass viele zumindest zusätzlich als Auftragsschreiber PR-Leistungen anbieten (müssen). Eine scheinbar fehlende Verhältnismäßigkeit im Vergleich der Honorare angestellter Journalisten mit denen von Freelancern bringt letztere auf die Palme. Wenn man diesem anonymen, offenen Brief an die Medienlese glauben darf, womöglich zurecht.
Da heißt es beispielsweise:
Ich darf nie böse werden, ich darf mir nie anmerken lassen, wie sehr ich auf das Geld angewiesen bin, ich darf keine Rückmeldungen einfordern für abgelieferte Artikel oder erwarten, dass ihr mich rechtzeitig über wichtige Dinge informiert – oder von euch aus an mich denkt, wenn ihr einen Auftrag rausgebt.
Täte ich es doch, wäre ich meine Aufträge schnell los, denn hinter mir stehen hundert andere, die es noch nötiger haben als ich, die vielleicht noch schneller sind, noch billiger, noch entgegenkommender.
Mit vereinten Kräften für eine angemessene Vergütung zu kämpfen, die doch übrigens auch im Urheberrecht verankert ist, scheint da die einzig logische Konsequenz. Vielleicht erreichen die Freischreiber ja eine Besserung der spitzwegschen Zustände.
via SpOn

Da die Freischreiber allerdings explizit keine Werbe- oder PR-Texter aufnehmen, bleibt das wieder einmal ein Problem der freien Journalisten. Werbetexter werden schon immer besser bezahlt als die Faktenaufschreiber. Insofern sehen wir großzügig über die Diskriminierung hinweg und wünschen viel Erfolg “mit der Künstlersozialkasse als erste Hürde”. Gähn.
“Mit vereinten Kräften für eine angemessene Vergütung zu kämpfen …”
Es gibt einen Verein, der genau das im Sinn hat. Erfahrung damit habe ich allerdings nicht. Und seinen Einfluss kann ich auch nicht einschätzen, aber sowas wächst bekantlich mit der Mitgliederzahl ;o)
http://www.texterverband.de
Ha! Die Textguerilla macht da keine Unterschiede zwischen Journalisten, PR-lern und Werbern. :-)
Aber auch Werbetexter werden nicht _automatisch_ gut bezahlt, das darf ich noch anmerken.
Und auch, dass mit der “Einstiegshürde” KSK gemeint ist, dass sie die Mitgliedschaft als Eintrittskarte werten wollen, damit die Journalisten unter sich bleiben können. Warum sie sich nicht mit weiteren Berufsgruppen solidarisieren wollen, versteh ich auch nicht so ganz.
@textdeluxe
Weil Journalisten die Werbetexter von jeher als minderwertige Schreiberlinge betrachten, wohingegen sie selbst eine “wichtige gesellschaftliche Funktion” besetzen. Dass ihre Blätter ohne Werbung dicht machen können, oder sie die Tatsachen so lange verbiegen und aufblasen, bis ein verkaufbarer “Artikel” draus wird, ignorieren sie gerne. Wie anders doch die Werbetexter: Wir müssen unsere Kreativität nicht verstecken. Dafür werden wir aber auch nicht mit Zeilenhonorar abgespeist. Na na na naaa na…
@AndreasK
Schau Dir die grottige Seite von denen an. Dann “weisse Bescheid”. Da Mitglied zu sein, ist wahrscheinlich der Ersatz für eine gute Mappe…
[...] der im Netzt die Runde macht. Bei der Medienlese ist er vollständig zu lesen, ich bin über die Textguerilla darauf aufmerksam geworden, aber auch der Verband freier Lektoren berichtet darüber. Ein freischaffender Journalist [...]
Also der Texterverband ist keine üble Sache, glaub ich. Immerhin nehmen die nicht jeden auf, das ist für Kunden doch schon ein bisschen ein Qualitätsindiz. Dank meines Lieblingsnetzwerkes, dem Texttreff, hat mir so eine Gemeinschaft bis jetzt allerdings nicht wirklich gefehlt. Und der FFW-Marktmonitor ist hilfreich, ebenso die AGB-Vorlage. (Und: Ja, die Website sieht vorsintflutlich aus.)
Die Rolle der Medien als vierte Kraft im Staat, ja … Die Idee ist schon gut. Ein williges Heer unterdrückter und unterbezahlter Freelancer dürfte der Demokratie allerdings nicht unbedingt dienlich sein.
Was mich als Semisoziologin dabei besonders fasziniert, ist beim Dumping die fehlende Solidarität, dabei dürfte ein Zusammenschluss doch ein erster guter Schritt sein? Dieser Kannibalismus durchs gegenseitige Unterbieten, das ist doch paradox …