Plädoyer für die drei Punkte …
07.02.2009 von Corinna Dürr
Bin gerade auf ein Plädoyer für die drei Auslassungspunkte gestoßen, die Tinkerbell in ihrem Beitrag vom Oktober so sehr verabscheut.
Die drei Punkte halten die Stimme am Satzende in derselben Tonlage. Anders als beim Punkt oder dem Fragezeichen bleibt die Satzmelodie hier also unabgeschlossen, offen. Damit aktivieren die Auslassungspunkte wie kein anderes Satzzeichen die Neugier des Lesers. Wenn schon die Stimme signalisiert “Hier kommt noch etwas …”, dann geht das Gehirn sofort mit – und liest automatisch weiter.
Darum sind die Punkte … wie geschaffen für Werbetexte. Ganz besonders in führenden Überschriften oder Anreißer-Texten (Teaser). Denn der Teaser soll den Kunden locken, er ist eine Art Köder. Das Ziel des Schreibers: Gib dem Leser den kleinen Finger – und bring ihn dazu, gleich die ganze Hand zu wollen. Wie erreichen Sie das als Texter? Mit der gezielt unvollständigen Information!
… meint der Textertipp der Textakademie.
Ich gestehe: Ich mag die kleinen Pünktchen – ebenso wie das Ausrufezeichen und den Gedankenstrich. Sie helfen, die Melodie und die Intention des Geschriebenen, das ja ohne Mimik, Gestik und Stimme auskommen muss, zu verdeutlichen. Aber nur wenn sie bewusst und sparsam eingesetzt werden.

Ich kannte mal eine Texterin, die mochte keine Klammern. Sie sagte: “Was man in Klammern schreibt, kann man auch gleich ganz weglassen.” Solche Regeln klingen im allerersten Moment irgendwie schlüssig, entpuppen sich aber schon nach kurzem Nachdenken als völliger Quatsch. (Ich weiß nicht, wie manche Leute auf sowas kommen…)
Ich mag alle Satzzeichen, sogar das Semikolon. :)
Also ich mag Auslassungspunkte auch. Gerade in Direct Mailings helfen sie mir, den Leser bei der Stange zu halten. Und sie sorgen dafür, dass der Text nicht zu sauber ausschaut.
Ich mag alles – außer einer Vielzahl von Ausrufungszeichen!!!
Verkaufsschwach hin oder her … ;-)
“sogar das Semikolon” – aber warum denn “sogar”? Ich finde das Semikolon äußerst entzückend und würde es sogar als mein Lieblingssatzzeichen bezeichen. Allerdings habe ich den Einrdruck, dass es zunehmend aus der Mode kommt. Deswegen möchte ich an alle hier appellieren, nächste Woche mindestens einmal ein Semikolon zu verwenden.
Ach, herrlich, diese Liebeserklärungen an die Satzzeichen. Ja, ich liebe euch auch alle! (Zumindest wenn die Kleinen am rechten Platz sitzen.) Und bei der Aktionswoche für das Semikolon bin ich selbstverständlich dabei.
Ich spiele gern mit Satzzeichen, weil sie einen Text erst so richtig lebendig machen. Und wenn ich mal was ganz arg spannend ausklingen lassen will, dann benutze ich … Ratet mal! :o)
Wie bekommt man hier in den Kommentar eigentlich so ein
Bildchen rein? Ich mag das auch haben, aber anscheinend
bin ich zu doof für die Technik hier … (Die drei Pünktchen lassen den Satz nun bedeutungsschwanger ins Leere laufen. Tolles Stilmittel, diese drei Pünktchen, oder?!)
Also, ich rat dann mal:
…einen Elektroschocker?
…Krimimusik?
…kein Verhütungsmittel?
Wird von dem Satzzeichengekuschel eigentlich das Rückenmark weich? Und was sagt die katholische Kirche dazu?
[...] drei Punkten schallt es aus der Ecke der militanten Gegner, während die Gegenseite konziliant ihr Plädoyer für das Ellipsenzeichen [...]
Als Protestantin kann ich zu Rückenmarksschwund und Co. nix sagen, als Kommunikationswissenschaftlerin hab ich körperliche Auswirkungen von Interpunktion einfach nicht untersucht.
Aber bei den Bildchen kann ich helfen:
http://www.gravatar.com
@Ralf & textdeluxe: Wie supersubtilsensitivfies ihr hier den armen Katholiken was reinwürgt, von denen sich mindestens 70 Prozent für ihren CEO in Grund und Boden (nicht zu verwechseln mit Blut und Boden) schämen … (mich inklusive)
Ich hab nie nix reingewürgt, mich nur zu meiner Konfession bekannt. Aber fremdschämen tu ich mich auch. Mochte den eigentlich immer …
Ooooh, das kann aber nur daran liegen, dass du, bevor er Papst wurde, noch nie was von ihm gehört hattest …
… und vom Papst wieder zurück zu den Punkten
@Ralf – das hat Tucholsky so ähnlich gesagt Und er hat ja recht. Eigentlich. Ausnahmen müssen nämlich erlaubt sein, schließlich gehören alle Satzzeichen zur Schriftsprache. Aber manche mag ich nur sehhhhr sparsam verwendet, wie manche Gewürze auch. Und ich versuche, sie schnell zu ersetzen, wenn sie eigentlich nur meine Denk-, Aus- und Umformulierfauheit kaschieren.
Äh, worum ging’s grad noch mal? Ah ja, der Papst. Den zu mögen, bedeutet, ihn nicht zu kennen. Hier dann mal ein paar Insiderinfos: http://www.youtube.com/watch?v=Dd4frGTooaw
Enjoy! :))
DAS kenne ich sogar live. Das hatte ich aber nicht unter Kennen abgelegt …