Werbung mit Poesie
24.03.2009 von Elke Hesse
Hier mal eine Autowerbung, bei der richtig viel Wert auf Text gelegt wird – und dazu noch auf poetischen Text. Es handelt sich bei dieser Ford-Werbung um ein Gedicht des vierfachen Pulitzer-Preisträgers Robert Lee Frost (1874 bis 1963).
[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=1wwXfAFQoh8[/youtube]
via Besserwerberblog Hier kann auch der Text nachgelesen werden.

Och, schön! Und bei uns macht Autowerbung immer nur “zoom, zoom”. Oder läuft der Spot hier auch in Deutschland? Kann ich mir kaum vorstellen … Aber was ist die Botschaft? Er hat die weniger benutzte Straße genommen und wurde da von einem Ford mitgenommen und das hat den Unterschied gemacht? Weil Ford-Fahrer abseits ausgetretener Pfade wandeln? Ähem, das passt so gar nicht zu meinem Bild der Marke. Oder ist das der Relaunch?
Abgesehen davon, dass ich es außerordentlich mißbillige, Frosts Gedicht zu Werbezwecken mißbraucht zu sehen, finde ich diese Werbung von einer Autofirma, deren Chef vor nicht allzu langer Zeit noch mit dem Privatjet nach Washington flog um Steuergelder zu erbetteln, schon sehr verlogen.
Ford fährt nicht auf Waldwegen, sondern mit allen anderen Autoherstellern auf der sechsspurigen, asphaltierten Autobahn. Die Autoindustrie hat nie vor der Wahl zweier gleichrangiger Alternativwege gestanden, denn es ist schon seit sehr vielen Jahren klar, welcher Weg zum Ziel führen würde: der grüne. DAS ist doch der Weg, der am wenigsten genommen wurde – auch von Ford nicht.
@be-es-ha: Ach, ich sehe das ganz pragmatisch. “Missbraucht” wurde Frosts Gedicht mit Zustimmung seiner Erben, denn die müssen ihre Einwilligung gegeben haben. Und wenn auch nur ein einziger Zuschauer dieser Werbung auf die Idee kommt, daraufhin zu einem Buch von Frost zu greifen, finde ich das prima. Das kann ich ganz lässig von der Autowerbung abkoppeln. :-)
[...] Frost, wie finden Sie es, dass eines Ihrer bekanntesten und beliebtesten Gedichte, “The Road Not Taken”, in einem Werbespot zitiert wird? Sind Sie damit einverstanden, dass der Autohersteller Ford sich Ihre poetischen [...]
@ Auslassungspunkte: Wie viele andere Dichter auch, hätte Frost sicher geantwortet “Prima, wenn der Preis stimmt.” Na, ja, wir wissen nicht wirklich, was er geantwortet hätte. Aber Fakt ist, dass es in Werbung und PR nur so von Zitaten und Versen berühmter Dichter und Denker wimmelt. Und wenn es stimmt, was die LEOs http://tinyurl.com/csd3o6 in ihrem Artikel “Er war jung und brauchte das Geld …” über Brecht schreiben, dass er nämlich u. a. auch Ford angeschrieben hat, um sich ein neues Auto zu ertexten, die aber ablehnten, dann kann man nur sagen: Ford hat dazu gelernt ;-)
@textcouch: Ich merke schon, dass ich mit meiner “L’art pour l’art”-Haltung hier auf verlorenem Posten stehe … Aber trotzdem: Ist es denn nicht doch etwas Anderes wenn ich selber meine Dienste als Dichter anbiete, über den Preis verhandeln und bestimmen kann, ob ich sie für einen bestimmten Zweck hergeben möchte?