Profitexterprokrastination
27.10.2009 von Julia Dombrowski
Ein Quell niemals endendes Spaßes für uns Profitextarbeiter sind die zahlreichen Angebote im Internet, die gegen Gebühr oder sogar kostenlos versprechen, automatisch all jene Anforderungen zu erfüllen, für die wir Textprofis noch immer den eigenen Kopf einsetzen.
Es gibt ja eigentlich nix mehr, was Software nicht könnte: In und aus Fremdsprachen übersetzen. Artikel über Sportereignisse schreiben. Pressemitteilungen generieren. Lektorate und Korrektorate einsparen.
Ich habe spaßeshalber mal mein Lieblings-Tool, den PR-Generator – bei dem ich mich einfach nicht entscheiden kann, ob er nun Realsatire ist oder ernst gemeint – eine Nonsens-Pressemitteilung über Geschlechtskrankheiten erstellen lassen. Und diesen Text habe ich dann vom Lektorats- und Korrektoratsprogramm LinguLab live (Motto: “Textqualität messen und gute Texte schreiben”) prüfen lassen (Versprechen: “Reduzieren Sie den Aufwand von Korrektur und Lektorat”). Hauptkritikpunkt der Analyse: “Geschlechtskrankheit” habe fürs Textverständnis eine solch untragbare Wortlänge, dass der Begriff unbedingt zu vermeiden sei.
Ach du Schreck: die Geschlechtskrankheit – nun wieder ein Tabu? Soweit hat uns der technische Fortschritt also gebracht!
Ich muss allerdings zugeben: Der LinguLab ist keineswegs solch ein reiner Quatsch wie der PR-Generator oder die meisten Übersetzungsprogramme. Gerade für unsichere oder ungeübte Schreiber mag es sehr hilfreich sein, eigene Texte auf überlange Sätze, Wortungetüme, Passivkonstruktionen und einen allzu beschränkten Wortschatz prüfen zu lassen. Für den Hausgebrauch ist die Software, die in der Basisversion kostenlos ist – in der Premium-Version für Unternehmer allerdings gleich stolze 1668,00 EUR/Jahr kostet – vermutlich wirklich nützlich. Denn sie scheint sich tatsächlich an den Kriterien messbarer Textqualität zu orientieren.
Aber ersetzen kann sie uns noch lange nicht. Ätschbätsch.

Und was kam bei der Pressemitteilung in 60 Sekunden heraus?
Och, das darf jeder selber testen, indem er bei http://www.pr-generator.de einen Text über Geschlechtskrankheiten der Skandal GmbH mit Sitz in St. Pauli erstellen lässt. ;-) Immer wieder ein wahres Vergnügen!
[...] nicht verkneifen, den PR-Generator gleich auszuprobieren, über den meine Texttreff-Kollegin Julia hier geschrieben hat. PR-Generator: Moderne Pressetexte in 60 [...]