Ich bin dann mal Wurst machen
26.11.2009 von Textcouch
Ihr könnt ja derweil was Sinnvolles tun. Konkret: lesen – voilà.
Bin gespannt auf die Kommentare.
26.11.2009 von Textcouch
Ihr könnt ja derweil was Sinnvolles tun. Konkret: lesen – voilà.
Bin gespannt auf die Kommentare.
Das ist doch ohne Worte (mit so vielen aufgeblähten Worten). Kann da einer Gebrauchstexte und Literatur nicht auseinanderhalten?
Er hätte auch einfach schreiben können: “Werbung find ich total doof.” Aber nein, es muss ja immer der Sterbende Schwan getanzt werden. Schade nur, dass man bei “Konkret” nicht kommentieren kann.
Der ganze Sermon basiert wohl einfach auf einem zentralen Missverständnis oder vielleicht Lesefehler: “Inzwischen ist die Boheme digital geworden, Autoren heißen nicht mehr ‘Literaten’, sondern ‘Profitexter’”.
Auch wenn nicht man nicht wenige Ex-Werbetexter wie Rushdie, Schätzing oder Wedekind durchaus Literaten nennen könnte, wären mir Werbetexter neu, die sich heute selbst per se zu Literaten erklärten.
Unklar bleibt für mich auch die Intention des guten Herrn Klaue (nein, keine flachen Wortwitze an dieser Stelle). Will er wohl Wohlstand für alle oder Armut für alle (Schreiber)?
Jetzt hab ich endlich den wahren Grund gefunden, warum ich nicht twittere und so äußerst ungern simse. Ich hab unbewusst mein Großhirn schützen wollen. Das brauch ich schließlich täglich zum Wurst machen. Und weil mein Hirn noch schwimmt, werde ich sogar angemessen für meine Gebrauchstexte bezahlt. :-) Das ist das, was ich kapiert hab. Und der Rest? Nun ja, ramses101 hat Recht. Außerdem muss man Prioritäten setzen. Statt mich mit solchen Textwüsten zu beschäftigen, übe ich mich lieber in Selbstbesinnung. Da hab ich als Profi schließlich konstitutionellen Bedarf.
da ist einem einfach der Gaul durchgegangen, oder der Herr Klaue hat die bekannte Maul-und-K..-Seuche?
Das ist einfach nur dumm. Er verwechselt Literaten und Texter und kotzt damit denjenigen in die Hände, die sich um verständliche Texte bemühen.
Hat hier irgendjemand behauptet, er sei Poet?
“Magnus Klaue schrieb in KONKRET 11/09 über Kitsch und Kult um Rosa Luxemburg ”
Was hat aber nun diese Suada widerum mit Rosa L. zu tun?
Die konkret war immer schon ein Hort kleinbürgerlicher Supra-Kommunisten, die meinten, in ihrer kleinen Hosentasche spiele sich das Weltgeschehen ab… lassen wir sie in diesem Glauben!
ich hatte meine liebe müh den text überhaupt zu lesen. kryptische schachtelsätze galore. ich befürchte gar, dass ich ihn gar nicht ganz gelesen habe, obwohl ich nicht twittere oder simse und mein feuchtes gehin nicht auf 180 zeichen geeicht ist, war mir das dann doch zu viel und im original in gefühlter 4-punkt-schrift habe ich nach wenigen sätzen das handtuch hin- und eine aspirin einwerfen müssen, was natürlich sehr schade ist. puh. ich bin wohl nicht zielgruppe und “doppelt geprüfter” text ist mir einfach lieber.
was haben wir kommunikationsdesigner eigentlich damit zu tun? wenn ich einen text ins layout setze, bin ich dann auch schon wurstfrau (abgesehen davon, dass ich eh generation leberwurst bin), oder wie?
wohlstand oder armut für alle? hmm, vielleicht “reichtum für alle!” und “reichtum versteuern!”? meine lieblings-wahlplakate in diesem jahr :)
Was der Autor mit dem Text sagen will, ist mir nicht klar. Und was Rosa Luxemburg damit zu tun hat, erst recht nicht. Er mag also keine Texte, die “logisch aufgebaut, klar gegliedert und übersichtlich strukturiert” sind und “eine klare Botschaft” vermitteln, die “keine Füllwörter” und “keine unnötigen Fremdwörter” enthalten, sich “aktiver Formulierungen” und einer “bildhaften Sprache” bedienen, die Überschriften aufweisen, die “neugierig machen” und eine “zielgruppengerechte Ansprache” enthalten. Außerdem mag er keine Texte, die “alle relevanten Fakten, sorgfältig recherchiert und doppelt geprüft” enthalten. Ich könnte für jede dieser Forderung an einen guten Text Belege bringen, aber dafür ist mir die Zeit zu schade. Er würde sie wahrscheinlich auch gleich polemisch auseinander nehmen. Eine Journalistenschule scheint der Autor jedenfalls nicht besucht zu haben, denn all diese Regeln werden dort sicher schon im ersten Semester gelehrt. Und Wolf Schneider und wie sie alle heißen, die um den guten Ausdruck kämpfen, wird er gar nicht kennen. Ich finde es schon merkwürdig, dass sich jemand von solchen Forderungen so angegriffen fühlt, dass er sich hinsetzt und einen elend langen Text verfasst, den eh kaum jemand in der Gänze liest. Aber die Regel, dass jedes Wort sitzen soll, und Mies van der Rohes “Weniger ist mehr” und Jean Pauls “Sprachkürze gibt Denkweite” würde er sicher auch in der Luft zerreißen.
ich verstehe Klaues etwas angestrengt wirkenden Text nicht als Polemik (warum sollte ein Linker, der noch halbwegs bei Groschen ist, gegen mehr Geld für Fachschreibkräfte polemisieren?). Es ist wohl eher eine ungeschickte Stellenanzeige. Also, Herr Klaue, wenn wir die Revolution dann durchgeführt haben: Ich bewerbe mich ins Propagandaministerium. Sie werden Leute brauchen, die einen Gedanken allgemein verständlich ausdrücken können. Da bin ich mir sicher.
Dr. Vogl hat da was missverstanden: Der Klaue will sich bei u n s bewerben: “Textkremente”, man beachte den Wortwitz! Wahnsinn! Aber seien wir nachsichtig: Solche Anfängerfehler haben wir alle gemacht – noch vor 20 Jahren hätte ich einen (Achtung, Worthülse:) geharnischten Leserbrief an Herrn “Sau-Klaue” geschrieben. Dass diese Form der Kreativität immer noch existiert, bewegt mich nun doch dazu, der Initiative Textguerilla beizutreten. Wo kann ich mich anmelden?
Habt ihr das wirklich komplett gelesen? Mein Hirn hat gestreikt. War mir zu blöd, zu verschwurbelt, zu gaga, zu viel heiße Luft, zu wurstig. Eins ist klar: Wer so schreibt, ginge als Werbetexter baden …
@Frau Herold: Ich hab mir das in Kommentar Nr. 3 ja extra noch fein verkniffen … Beizutreten gibt’s da nicht viel, Absichtserklärung und Leumundsprüfung reichen und ich richte einen Autorenzugang ein.
Also, eigentlich ist der Fall doch ganz klar. Guckt mal, was hier http://www.konkret-verlage.de/kvv/kh.php?jahr=2009&mon=12
steht: Lesen was andere nicht wissen wollen.
Abgesehen davon, dass da ein Komma fehlt (kleinbürgerlicher engstirnig bodenständiger Einwand, ich weiß), ist es doch genau das, was uns von Herrn Klaue unterscheidet: Er schreibt für das, was keiner wissen will, und wir schreiben für das, was möglichst viele wissen wollen :-)
@ heike
also diesen text http://www.kd-medienverlag.de/sprachsalat/aktuell-details/news/wer-zaehlt-schreibt-besser.html konnte ich problemlos lesen :-)
Puh, den Beitrag zu lesen war Schwerstarbeit und hat Durchhaltevermögen gekostet. Verstanden habe ich nicht viel. Da hatte jemand viel Zeit und Muße, um allen seine (Schreib-?)Kunst zu präsentieren. Dass man “auf hohem Niveau” Seiten füllen kann, die sophisticated klingen, aber nichts aussagen. Hat diese Form des Schreibens nicht auch einen Namen (oder muss der noch erfunden werden)? Was ist nur das Ziel des Beitrages? Hoffentlich nicht der Versuch, sich mit dieser Kostprobe als professioneller … Schreiber (?) zu empfehlen. Wenigstens weiß ich jetzt, was ich eh schon wusste: Ich bleibe, was ich bin: schlichte (Profi-)Texterin, die es einfach, klar verständlich und vor allem mit Botschaft mag. :-)
Ach, Ihr versteht ihn doch ALLE nicht!
Guckt, was er schreibt:
“Welcher Text, der uns je in den Bann geschlagen hat, wäre ohne Füllwörter ausgekommen, hätte die Regeln der Logik strikt beachtet oder eine klare Botschaft gehabt?”
Ich finde, sein Text ist brillant: haufenweise Füllwörter, großzügiger Umgang mit der Logik, und die Botschaft ist mir auch nicht klar.
Was wollt Ihr denn noch???
Genau. Ist doch schön, dass das Leben Raum bietet für alle: für die da oben im Elfenbeinturm ebenso wie für die, sie sich hinter den Wursttheken der alltäglichen Wurstproduktion widmen.
Ich sehe es wie Frau Herold: Der Mann ist doch ganz auf unserer Seite – ja, sein Kulturpessimismus übertrifft unser gelegentliches Unbehagen um Längen: “Routinierter Analphabetismus wird mehr und mehr zur Einstellungsvoraussetzung von Kulturredakteuren, sprachliche Inkompetenz zur Notwendigkeit beim Schreiben akademischer Projektanträge.”
Unser Tipp zur Kompetenzerhöhung: mal mit logischem Aufbau und klarer Gliederung versuchen?
Auch nett: “konkret” Seit’ an Seit’ mit Herrn Schirrmacher:
“… linguistischen Knockout-Techniken des Twitterns und Simsens, deren Erlernen die Trockenlegung des Großhirns unumgänglich macht”.
Ach, das Leben als Intellektueller ist schwer: Wer soll sich noch auskennen in einer Welt, in der “FAZ” und “konkret” am selben “kulturkonservativen” Strang ziehen?
Gebrauchstexte sind keine Literatur. Sollen sie ja auch gar nicht sein. Fertig. Ach ja, und:
Mir gefällt das hier ja besonders gut. So à la Thomas Mann, meint Ihr nicht?
“Die Subjektivität, die sich im kuriosen Fremdwort, im bis zum Zerreißen gespannten Satzbau, in der Verweigerung schaler Bildlichkeit, ja sogar im Stilbruch und in der verrutschten Metapher artikuliert und die eins ist mit dem Leben des Geistes, soll getilgt werden, damit Sprache wieder unmittelbar zu jenem Schlag ins Gesicht werden kann, den sie in besseren Zeiten mitunter verhindert hat.”
[...] manchmal müssen wir Möchtegernliteraten schon vor der Zeit was Nettes einfallen lassen, da braucht es jede Menge Empathie, manchmal schon im [...]
Bin ich wohl die einzige Person, die seinen Text und sein Argument genial finden.
Gut, vielleicht verwechselt er Autoren und Werbetexter – aber die Pro-Text-Bewegung setzt sich doch nicht nur für Werbung ein, oder?
Wo ist da der Sinn? Wen interessiert Werbung? Und vor allem – was hat das mit Kultur zu tun?
Die Kommentatoren hier schreiben, dass Sie seinen Text nicht verstanden haben, dabei war er brillant: er hatte Stil, eine klare Stellungnahme, Provokation und perfekte Sätze.
Zumindest mich hat er beschäftigt, ich habe nickend zustimmen müssen und war emotional ob seiner Beobachtungen sogar etwas aufgewühlt. Endlich mal ein Text, der bewegt, der wirklich (!) etwas zu sagen hat … der nicht endlos schwadroniert und den Unsinn dann auch noch in kleinen verständlichen Häppchen verpackt. Respekt!
Ich denke, er wollte lediglich sagen, dass es einen Unterschied zwischen Werbung, Twitter und Lifestyle und Kultur, Geist, Kritik gibt.
Bei der Pro-Text-Bewegung wird das aber bunt gemischt. Menschen in der freien Wirtschaft setzen sich auf die Seite der Kunst, zeigen mit den Finger auf ihre Mitmenschen und kritisieren von oben herab.
Wozu? Liebe zur Sprache?
Eher Liebe zum Materiellen.
Natürlich finde ich es in Ordnung, wenn sich Menschen um ihr Business bemühen und dessen Wichtigkeit künstlich aufblähen, um nicht bei der berüchtigten Arbeitsagentur zu landen. Und ich persönlich beschäftige mich auch viel mit Text und Co.
Aber diese Art von Pro-Text-Bewegung, sorry, war mir von Anfang an sehr unsympathisch.
Geübte Schreiberlinge aus allen Bereiche, also ohne einheitliche Ausbildung, bezeichnen sich selbst als Profis und wollen die Grenzen des Markts verändern, indem sie andere Menschen bloßstellen. Das hat etwas von Herumhacken auf offensichtliche Schwächen, nur um seine eigenen Unfähigkeiten zu kaschieren.
Texte dürfen nicht von Amateuren geschrieben werden? Warum nicht? Weil sie nicht professionell sind? Sagt wer? Vielleicht ist es genau das, was Firmen wollen?
Wozu einen künstlichen Bedarf schaffen, wo kein Bedarf ist und das als Kultur verkleiden?
Bin ich wohl die einzige Person, die seinen Text und sein Argument genial finden.
Möglicherweise … ;-)
Gut, vielleicht verwechselt er Autoren und Werbetexter – aber die Pro-Text-Bewegung setzt sich doch nicht nur für Werbung ein, oder?
Aber da liegt doch ein grundlegender Mangel an Verstehen: Gebrauchstexte mit Literatur zu verwechseln, das nicht differenziert zu bekommen, das disqualifiziert meines Erachtens seinen ganzen Beitrag.
Wo ist da der Sinn? Wen interessiert Werbung? Und vor allem – was hat das mit Kultur zu tun?
Alles und nichts. Kultur ist selbstredend nicht nur Hoch-, sondern auch Alltagskultur. Werbetext als eine Spielart, die unter anderen in der Protextbewegung repräsentiert ist, prägt natürlich unser aller Lebenswelt, sie ist überaus bedeutsam, auch für die Protextbewegung. Zum Beispiel, weil es so viele schlechte Beispiele gibt, weil gute Leistungen noch nicht durchgängig wertgeschätzt werden. Aber auch für die wirtschaftliche Bedeutung dieses Genres.
Wer denkt, der Anspruch von Gebrauchs- und Werbetext könne derselbe sein wie der von Literatur zur geistigen Erbauung, hat ganz grundlegende Dinge nicht verstanden. Dabei erfüllt guter Gebrauchstext sehr hohe Ansprüche, nur eben andere. Kunst verhält sich zu Design wie Literatur zu Gebrauchstext. Dabei vertritt die Protextbewegung durchaus auch Schriftsteller, das Gros der Mitwirkenden kommt allerdings aus den Bereichen Werbung, Journalismus, Übersetzung und PR, was der Webpräsenz durchaus eine gewisse Prägung mit diesen Schwerpunkten gibt. Das schließt aber andere Bereiche keineswegs aus.
Schon mal überlegt, ob vielleicht nicht nur im hochziselierten sprachlichen Oeuvre eine Kunst liegt, sondern auch in der verblüffenden Idee einer werblichen Ansprache? Das ist alles eine Frage der Perspektive. Ich finde auch, dass aus menschlicher Misere heraus besonders gefühlsstarke Musik entsteht, deswegen wünsche ich mir aber für die Songschreiber doch keine Depressionen. Ich bin davon überzeugt, dass man nicht in spitzwegscher Manier mit Dachschaden vegetieren muss, um anspruchsvolle Texte zu schaffen.
Die Kommentatoren hier schreiben, dass Sie seinen Text nicht verstanden haben, dabei war er brillant: er hatte Stil, eine klare Stellungnahme, Provokation und perfekte Sätze.
Klar hat Monsieur da fein was gebastelt und ich hab seinen Text durchaus verstanden, allerdings ist es ziemlich durchsichtig, was er da macht: Provokation um der Profilierung willen, Kunst um der Kunst willen, ein Ansatz am Thema vorbei. Sei er noch so frech formuliert. Dabei liegen die Ziele der Protextbewegung mit mehr Wertschätzung der texterischen Leistung vielleicht gar nicht so weit weg von dem, was Herr Klaue so allgemein link(i)s(ch) auf seine Fahnen stickt: Oder will er nicht eine angemessene Entlohnung für die Leistung aller oder sowas in der Art? Wenn er sich gegenüber den Zielen der Protextbewegung verwehrt, was will er dann? Weniger Wertschätzung, schlechtere Bezahlung aller Schreiber?
Endlich mal ein Text, der bewegt, der wirklich (!) etwas zu sagen hat … der nicht endlos schwadroniert und den Unsinn dann auch noch in kleinen verständlichen Häppchen verpackt. Respekt!
Aber er schwadroniert doch endlos?!
Ich denke, er wollte lediglich sagen, dass es einen Unterschied zwischen Werbung, Twitter und Lifestyle und Kultur, Geist, Kritik gibt.
Warum sagt er das dann nicht einfach mal? Das wäre aber wohl eine allzu profane Aussage gewesen für einen Artikel, noch profaner als das aktuelle Statement “Ich bin dagegen”.
Bei der Pro-Text-Bewegung wird das aber bunt gemischt. Menschen in der freien Wirtschaft setzen sich auf die Seite der Kunst, zeigen mit den Finger auf ihre Mitmenschen und kritisieren von oben herab.
Wo denn? Wer denn?
Bunt gemischt wird natürlich bei der Protextbewegung, das liegt doch in der Natur der Sache. Wenn es mit dem “Finger auf Mitmenschen zeigen” ist, dass man auf Qualitätsunterschiede hinweist, dann ist das eine überaus polemische Verdrehung der Aussage.
Wozu? Liebe zur Sprache?
Eher Liebe zum Materiellen.
Eher Liebe zum Lebenkönnen von dem, was man macht. Auch aus Liebe zur Sprache, natürlich!
Natürlich finde ich es in Ordnung, wenn sich Menschen um ihr Business bemühen und dessen Wichtigkeit künstlich aufblähen, um nicht bei der berüchtigten Arbeitsagentur zu landen.
Wir brauchen gar nichts künstlich aufzublähen, das weiß jeder, der mal mit professionellem Anspruch an Texten gearbeitet hat. Kunden mit der richtigen Idee geholfen. Oder ein Buch veröffentlicht.
Geübte Schreiberlinge aus allen Bereiche, also ohne einheitliche Ausbildung, bezeichnen sich selbst als Profis und wollen die Grenzen des Markts verändern, indem sie andere Menschen bloßstellen. Das hat etwas von Herumhacken auf offensichtliche Schwächen, nur um seine eigenen Unfähigkeiten zu kaschieren.
Also zwischen geübt und Profi gibt es einen ganz einfachen Unterschied: Wer schon immer gern Tagebuch, Blog oder kleine Fantasygeschichtchen geschrieben hat, ist vielleicht geübt, deshalb aber noch lange kein Profi. Das wird er dann, wenn er von seiner “Kunst” leben kann, wenn seine Arbeit dauerhaft Menschen überzeugt, seine Leistung zu buchen.
Texte dürfen nicht von Amateuren geschrieben werden? Warum nicht? Weil sie nicht professionell sind? Sagt wer? Vielleicht ist es genau das, was Firmen wollen?
Natürlich dürfen Amateure Texte schreiben, wer sagt denn was Gegenteiliges? Ich habe noch nie Unternehmer getroffen, die sich wünschten, endlich einen Hobbyschreiber für ihre Werbetexter zu finden, aber das steht ihnen natürlich frei und viel von dem, was man an unsäglicher Werbung so den ganzen Tag sieht, kommt bestimmt aus Laienhand. Profitum bedeutet doch nicht nur eine fiese Kapitalisierung eines ansonsten so netten kleinen Hobbies, sondern vor allem, dass man sich für eine Profession entscheidet, sich einem Beruf verschreibt. Mit Haut und Haaren. Tag für Tag. Dass man davon leben kann, zumeist als Freiberufler mit unternehmerischem Risiko im Bassin der freien Wirtschaft zu schwimmen und täglich neben der Texterin auch noch die Buchhalterin, das Rechnungswesen, die Abteilung New Business, die Beraterin und was sonst so alles gibt. Dass man so vergütet werden möchte, wie es der investierten Arbeitskraft, Kreativität, Aus- und Weiterbildung, wie es Erfahrung, Wissensniveau und reingelegtem Herzblut entspricht.
Wozu einen künstlichen Bedarf schaffen, wo kein Bedarf ist und das als Kultur verkleiden?
Die These ist so wild, die erschließt sich mir dann jetzt leider gar nicht mehr.
Widerspricht sich das nicht? Wenn Sie Laien beauftragen, dann weil sie keine Profis wollen. Ob aus finanziellen Gründen, weil Sie mit Laienergebnissen zufrieden waren oder diese teils erfrischender finden spielt dabei keine Rolle.
Ich frage mich nur, warum eine Berufsgruppe auf Ihre Wichtigkeit aufmerksam machen muss, wenn es doch genug Bedarf gibt?!
Und wenn es diesen Bedarf, diese Nachfrage nicht gibt, dann heißt das nichts weiter, als dass man sich auch ohne Texter mit Horrogehältern zu helfen weiß oder sogar darauf setzt, dass die Kommunikation von Freigeistern, Studenten oder Hobbyschreibern übernommen wird.
Um gute Texter zu finden, ist man nur einen Googleklick entfernt. Ich finde nicht, dass es nötig ist eine Bewegung zu starten, die Laien in den Boden stampft (ist nur mein subjektives Empfinden bei all den Links und Querverweisen auf bestimmte Schilder oder Schriftstücke), nur um auf “Profis” aufmerksam zu machen.
Vielleicht liegt es auch daran, dass ich persönlich nie irgendwelche Dienstleister engagiere, die durch derart auf sich aufmerksam machen. Ich empfinde es einfach als unseriös, wenn es auf Homepages heißt “gehen Sie lieber gleich zum Profi”. Das hat etwas von “Mit Calgonit wäre das nie passiert” – obwohl Waschmaschinen in den meisten Haushalten auch ohne Entkalker reibungslos funktionieren (was auch jeder weiß).
Wie auch immer. Eigentlich gibt es da keinen Punkt für eine Diskussion, da einfach grundverschiedene Meinungen aufeinandertreffen.
Bei der Protextbewegung geht es um mehr Aufmerksamkeit und Verständnis für die Leistung von Profiarbeit, das ist auf diesem Feld durchaus noch notwendig – und zwar ganz unabhängig von einer etwaigen privaten Bedürftigkeit der Initiatoren der PTB.
Es geht nicht um eine Verteufelung jedweder Leistung von Laien (die ja auch qua Definition keine Konkurrenz zu Profis darstellen, weil sie rein quantitativ so nebenbei, nach Vorlesung, Schul- oder Küchenarbeit gar nicht so viel leisten können wie hauptberufliche Texter), sondern darum, dass viele Menschen denken, das Schreiben sei ganz einfach, ein kleiner Text doch schnell mal eben gemacht und deswegen relativ wertlos. (Zumindest so lange, bis sie es mal selbst versucht haben, etwas zu schreiben, dass so informativ ist wir unterhaltsam, so überraschend und witzig wie relevant – zum Beispiel.)
Es geht vielmehr um die Verbesserung der Situation derjenigen, die noch nicht etabliert sind, die ganz unsittlich bezahlte Angebote bei MyHammer für das Ende der Fahnenstange halten und durch das Akzeptieren solcher Konditionen (von zugegeben sicher nicht immer im qualitativen Sinne anspruchsvollen) Auftraggebern gegenüber wiederum vermitteln, 10 Euro die Stunde seien schon ok für das, was man da tut. Jetzt mal überspitzt gesagt.
Bei der Textarbeit liegt einiges im Argen, das merkt man schon, wenn man das mal ein Weilchen betreibt, bei mir sinds jetzt um die zehn Jahre. Das endet auch nicht bei der Bezahlung, das Urheberrecht ist beispielsweise noch so ein Bereich mit viel Grauzone und wenig Klarheit, sie drückt aber so einiges aus. Bei Waschmaschinenreparatur und Hausbau setzt man auf Fachleute, aber Schreiben kann doch jeder und jeder gleich gut? Es geht dabei natürlich auch nicht nur ums Schreiben als Umsetzung, sondern um viel Arbeit dahinter: analytische, soziologische, konzeptionelle. Das ist den wenigsten klar. Als Ergebnis steht auch nicht immer ein platter Werbespruch à la Calgonit oder MediaMarkt, viele von uns bedienen verschiedenste Medien in der Unternehmenskommunikation.
Übrigens ist das übergeordnete Ziel unserer Image- und Lobbyarbeit natürlich, es den Menschen, die von einem Leben als Texter, Journalist oder was auch immer in dem Bereich träumen, genau das zu ermöglichen: Von der Textarbeit leben zu können und vielleicht sogar eine kleine Rente zu bekommen.
Das dürfte eigentlich alles auch im Interesse einer Lilly Berry liegen, wenn sie sich als Möchtegern-Autorin bezeichnet. Möchte sie für ihre Arbeit nicht auch mal anständig bezahlt werden?
PS: Die Stilblüten und Sprachpedanterien hier im Blog sind natürlich vor allem was für Sprachaffine, aber vor allem ist diese Art der oft genug augenzwinkernden Pflege von Sprachkultur auch Ausdruck eines Indizes von textlicher Qualität. Denn sprachliche Kompetenz ist nun mal unser aller Handwerkszeug.
Und was sind eigentlich Horrorgehälter?
“Horrorgehälter” sind die, die man an Dienstleister überweisen muss. Desahlb beauftragt Lilliy wahrscheinlich auch im Sanitärbereich lieber jemanden, der das einfach gern macht und auch bei der Installation eines Waschbeckens mit “frischen Ideen” kommt.
Ach so – und die Vergütung von Dienstleistern fällt generell zu hoch aus? Ich versteh das im Privaten, wobei auch da Schwarzarbeit keine Lösung ist, falls das auch gemeint sein sollte. Aber Privatleute sind selten Kunden freier Texter. Warum sollte ein Unternehmen, das eine Sanitärmonteurstunde für vielleicht 50 Euro oder Beratungsleistungen für 150 Euro die Stunde abrechnet, nicht für die Textstunde 60 oder 70 Euro zahlen, um neue Kunden zu gewinnen?
Und wer bitte sagt, dass Profitexter ihre Arbeit nicht einfach gern machen? Und genau deshalb noch am Markt sind, weil sie nicht nur frische Ideen liefern, sondern auch richtig schön fundierte dazu?
Ich bin mir bewusst, dass auch ich provokant bin, wenn ich mit hinter einer provokanten Meinung stelle.
Ich behaupte jedoch nicht, dass Texter nicht anständig bezahlt werden sollen, sondern dass der Markt den Preis bestimmt. Das ist alles.
Jeder Mensch möchte für seine Arbeit anständig bezahlt werden, das ist doch nicht der Punkt.
Natürlich wirbt auch jeder mit dem, was er kann oder können möchte.
Aber warum beschweren sich Menschen mit einem Stundenlohn von 70 Euro (etwas von 160 Euro habe ich hier auch schon gelesen), dass Ihre Arbeit nicht genüg Wertschätzung erhält?
Natürlich ist es wichtig, dass man von seinen Bemühungen auch leben muss. Fakt ist aber, dass man in den wenigsten Fällen groß Investitionen tätigen muss, während ein Handwerksbetrieb Fahrzeuge, Gebäude, Werkstoffe, Insolvenzrisiken und Co. mit in den Stundensätzen einkalkulieren müssen.
Bei 70 Euro die Stunde und 6 Stunden Textarbeit am Tag, müsste man auf monatlich 8.400 Euro brutto kommen. Ja, dazu kommen dann noch die Buchhaltung, der Kundenkontakt, die Auftragsgenerierung und das Werben. Auch Steuern werden abgezogen – und man muss bedenken, dass die Auftragslage nicht immer konstant bleibt, dass man oft auf dem Trockenen sitzt, Renten- und Krankenbeiträge müssen selbst gezahlt werden usw.
Ich kenne das. Ich arbeite selbst frei.
Und bitte, ich bin auch niemand, der seinem Gegenüber das Brötchen in der Hand neidet.
Ich denke nur: Ich persönlich komme gut klar, ich kann mich nicht beschweren – und ich bin nicht mal ein Profi. Was machen andere falsch?
Oder liegt es einfach in unserer Natur, dass wir nie zufrieden sind?
Wo ist die Pro-Friseur-Bewegung der Angestellten, die sich Ihre Gehälter zusätzlich mit ALG II aufstocken müssen, weil man sich die Haare lieber von der Nachbarin schneiden lässt?
Wo sind die Damen, die mit dem Finger auf schreckliche Frisuren zeigen und lauthals rufen “Bei einem Profi wäre Ihnen das nicht passiert”?
Ich werde einfach nur das Gefühl nicht los, dass sich die Falschen in einer falschen Situation beschweren.
Aber das ist selbstverständlich das Recht eines jeden, weswegen ich mich jetzt auch aus dieser Diskussion verabschiede.
“Wo ist die Pro-Friseur-Bewegung der Angestellten, die sich Ihre Gehälter zusätzlich mit ALG II aufstocken müssen, weil man sich die Haare lieber von der Nachbarin schneiden lässt?”
Die existiert deshalb nicht, weil die Haare schneidenden Nachbarinnen eben jene Friseurinnen selbst sind. Die allerallermeisten Nachbariinnen, die “nebenbei” Haare schneiden, sind gelernte Friseure. Also Profis.
Das Beispiel hinkt also, denn hier geht es nicht um Laie vs. Profi, sondern um Schwarzarbeit.
“Ich werde einfach nur das Gefühl nicht los, dass sich die Falschen in einer falschen Situation beschweren.”
Vielleicht ist einfach schon das Gefühl falsch, es handele sich um eine “Beschwerde”. Wenn Mercedes Imagewerbung macht, sagt ja auch keiner: “Warum beschweren die sich darüber, dass zu wenig Leute ihre teuren Karossen kaufen?”
Wir beschweren uns nicht – wir stärken das Image der Textberufe.
Um das zu tun, sind wir natürlich genau die Richtigen. Wo also ist das Problem?
Friseure, Verehrteste, haben 1) eine Innung, 2) Verdi und hier und da 3) Manteltarifverträge. Die sind im Effekt bescheiden, aber für freischaffende Texter gibt´s da nix. Preise sind freie Verhandlungssache, es gibt keine Lobby und wenig Verständnis für dieses Schreibhandwerk. Es liegt nicht in der Natur des Texters, unzufrieden zu sein. Es liegt in der Natur der Sache, dass ein Honorar auch seinen Namen verdienen soll. Darf man seine Interessen erst dann verteidigen, wenn man auf ALG II angewiesen ist? Eine rhetorische Frage.
“Wo ist die Pro-Friseur-Bewegung”
Gab es. Das war eine ziemlich blöde Kampagne: “Was Friseure können, können nur Friseure.”
Nur Butter heißt und schmeckt so, der Ball ist rund, nur wo Käse draufsteht, ist keine Wurst drin, und was Frisöre können, hätte man durchaus besser betexten können …
[...] Motivationen, Zusammenhänge und Störungen es geben kann, ja doch, das hilft eindeutig bei der nur scheinbar profanen Arbeit als Werbetexter. Das Arbeitsgebiet der Kommunikationswissenschaft überschneidet sich mit der Medienwissenschaft, [...]
@ textdeluxe 11: Ein Leumundszeugnis stellt mir hoffentlich Dr. Vogl aus, chr, chr… diese Debatte um Friseure und Texter fand ich höchst interessant, da ich mein Leben mit einem Schriftsteller (Sachbuch) teile, der, damit mehr Geld reinkommt, seine Mehrfachbegabung nutzt und Vorträge / Lesungen hält. Was in der Nachbarschaft zu Fragen wie “… und was machen Sie tagsüber?” führt und im Freundeskreis dazu, dass alle betteln: “Fraaank, lies doch mal ‘Tittimaus und Teddymaus’, bidddäää!” Dass der Mann davon lebt, versteht keiner so recht. Daran erkennt man, dass es Kunst ist, oder? Aber was versteh ich davon, ich bin ja nur Werbetexterin.
Das Leumundszeugnis ist geschenkt. :-)
Kunst ist, wenn man nicht davon leben kann? Oje, abschließend kann das ja nur die Nachwelt beurteilen … Liebe Weihnachtsgrüße von einer, die auch “nur Werbetexterin” ist!
Und wie ich gesehen hab, ist das Autorenkonto auch schon angelegt. :-) Willkommen im “Club”!
Hier gibt’s übrigens einen Leserbrief:
http://www.konkret-verlage.de/kvv/an.php?text=ankonkret&jahr=2010&mon=01
Ähem – der Hinweis auf Rosa Luxemburg am Ende bezieht sich übrigens offensichtlich auf den Text, den der Verfasser im vorigen Konkret-Heft geschrieben hat. Ein bißchen über Journalismus sollte man / frau schon wissen, bevor man / frau sinnlos herummeckert. Wie überhaupt die vorangehende Blog-Wurst der schönen Polemik des Autors unfreiwillig auf ganzer Linie Recht gibt.
Welche Wurst?
Der ganze Blog ist die Wurst, und Sie wollen das Ende sein.
@ julia
ähem, da hast du den satz “Magnus Klaue schrieb in KONKRET 11/09 über Kitsch und Kult um Rosa Luxemburg” ja messerscharf analysiert ;-)
ein bißchen über sein thema sollte man als journalist auch wissen, bevor man sinnlos in einem artikel herummeckert, oder nicht?
gut, dass die wurst zwei enden hat :-)
“Magnus Klaue schrieb in KONKRET 11/09 über Kitsch und Kult um Rosa Luxemburg ”
Was hat aber nun diese Suada widerum mit Rosa L. zu tun?
Meine messerscharfe Analyse bezog sich auf dieses Blogwurstzitat mußte sich zwangsläufig auf die atemberaubende Begriffsstutzigkeit des Diskussiotnspartners Nr. 5 (Connie Müller-Goedecke) einlassen.
Sorry dafür.
[...] Income Neudeutsch für „ekelhaft hohes Gehalt“ Oder: Netto-Roh-Einnahmen einer [...]