Textklau vom Bayern-Boss
10.01.2010 von Elke Hesse
Ach herrje, Sachen gibts, die sind an Peinlichkeit ja kaum noch zu überbieten. Ich mein, es war ja schon eine echte Zumutung, was Karl-Heinz Rummenigge als Dankesgedicht an Franz Beckenbauer bei der Jahreshauptversammlung des FC Bayern Ende November zum Besten gab, hier auf Youtube dokumentiert:
Aber nun stellt sich auch noch heraus, dass er dieses Gedicht geklaut hat, nämlich von dieser Website der Hobbydichterin Anette Pfeiffer-Klärle, die dort ausdrücklich darauf hinweist, dass ihre Gedichte bei Verwendung honorarpflichtig sind. Tja, wird sich der Herr Rummenigge wohl gedacht haben, die gute Frau wird ja gar nicht mitkriegen, dass ich ihr Gedicht verwende, warum soll ich mir auch die Mühe machen, der einen Hunderter rüberzuschieben? Oder gar erwähnen, dass das schöne Gereime von ihr stammt, das muss ich ja wohl auch nicht, schließlich sind wir im Land der Dichter und Denker, da kann ja jeder so ein paar schlichte Reime erfinden und so tun, als seien die auf seinem Mist gewachsen …
Pech für Kalle, dass er nicht gemerkt hat, wie peinlich diese Ode ist. Und dass in Zeiten des Internets solche Faux-pas auch nicht so schnell vergessen werden. Jedenfalls war die gute Anette so schlau, einen Anwalt einzuschalten, der den FC Bayern abgemahnt und eine Unterlassungserklärung angefordert hat. Außerdem forderten Dichterin und Anwalt Schadenersatz in Höhe von 1000 Euro und wären dafür bereit gewesen, sich außergerichtlich zu einigen. Hätte der bayerische Rekordmeister gelöhnt, wer weiß, ob das dann überhaupt publik geworden wäre. Er wollte aber nicht zahlen, der Herr Rummenigge, also hat das Landgericht Hamburg jetzt eine einstweilige Verfügung erlassen, weil es in dem Vortrag auch eine Urheberrechtsverletzung sieht. Siehe auch dieses Interview mit dem Anwalt.
Die Dichterin wiederum erfreut sich nun wachsender Bekanntheit und hat, gar nicht dumm, darauf gleich wieder mit einem Gedicht reagiert. Und um dem Ganzen noch die (Bier-)Krone aufzusetzen, gesteht sie , dass sie das Corpus delicti einst nach dem Genuss von einigen Gläsern Gerstensaft schrieb:
Als ich es schrieb musst ich schon lallen-
- egal – dem Karl-Heinz hat’s gefallen.
Das ist zumindest lustig, auch der Vergleich mit den Diamanten und dem Modeschmuck gefällt mir ganz gut. Und nun bin ich sehr gespannt, wie diese Geschichte weitergeht …

Also ich gehe davon aus, dass eine der hellen Mitarbeiterinnen des eher dunklen Karl-Heinz die Sache aus dem Netz gezogen hat. Der hat ja nichts verbrochen, als er seine Sekräterin um Hilfe bei dem Danken-Gedichten bat. Also zahlt er auch keinem Gericht etwas.
Logisch
Also ist die Sekretärin schuld?
Nachtrag: Herr Rummenigge und Frau Pfeiffer-Klärle haben sich gütlich, sprich außergerichtlich gegen eine Zahlung von 1000 Euro geeinigt. Die selbsternannte Dichterin ist nach Angaben der SZ derzeit “ausgebucht”. :-)
Frag mich nur, ob sich der Herr Rummenigge denn neben der Zahlung auch mal entschuldigt hat.