Von Autoren und Lektoren
17.02.2010 von be|es|ha
Julia Dombrowski hat ja bereits vor einiger Zeit in ihrem Textguerilla-Beitrag „Dann klappt’s auch mit dem Lektorat!“ (Teil 1 und Teil 2) ausführlich die vielseitigen und umfangreichen Arbeitsschritte von Lektorinnen und Lektoren erläutert. Aus aktuellem Anlass sei für den Bereich Buchlektorat noch folgender Hinweis von Dr. Carla Meyer, Vorstandsvorsitzende des Verbands der Freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL) e. V., hinzugefügt:
Der Text liegt in der Verantwortung des Urhebers, nicht des Lektors.
Deshalb gehört es auch nicht zur Aufgabe des Lektorats, ein Werk auf plagiierte Passagen zu überprüfen.
Wenn einem etwas auffällt, fragt man natürlich nach. Aber es gehört nicht zum Lektorat, das gesamte Werk in Frage zu stellen.
Frau Meyers Zitate entstammen dem lesenswerten Stern-Artikel „Warum der Lektor nicht einfach gegoogelt hat“, in dem der Frage nachgegangen wird, wie den Verantwortlichen des Ullstein Verlags denn vor der Veröffentlichung von Helene Hegemanns Romanerstling „Axolotl Roadkill“ entgehen konnte, dass große Passagen nicht von ihr selbst verfasst wurden.

Dazu auch ein lesenswerter Artikel plus Stellungnahme von Iris Radisch in ZEIT online: http://www.zeit.de/2010/08/Copyrights
Dort wird Hegemanns “Montagetechnik” mit anderen berühmten Autoren verglichen …
Ich habe das Buch nicht gelesen und werde es auch nicht tun. Denn allein schon das eine Zitat daraus, das Iris Radisch vorträgt und das ich auch schon lesen musste, hält mich davon ab. Ich weigere mich einfach, diese Widerwärtigkeiten zu lesen. Punkt.
Ach ja, noch ein Nachtrag, gefunden bei http://off-the-record.de/; ein Video aus einer Lesung des Originals “Strobo” von Airen, hier auf dessen Blog:
http://airen.wordpress.com/
Da ich das Buch (auch) nicht gelesen habe, kann ich natürlich weder beurteilen, inwieweit die Begriffe »Intertextualität« und »Montage« auf die Technik der Verfasserin angewendet werden können, noch worin die eigene Aussage der Monteurin bestehen könnte. Abgesehen davon erinnert mich die Reaktion von Literaturkritik und Feuilleton auf das Buch und die häufige Betonung seiner »außerordentlichen Qualität« angesichts der wenigen mir bekannten Zitate aus diesem Werk hochgradig an die Reaktion der Theaterkritik auf Alfons Yondrascheks modernes Schauspiel des irrealen Parasymbolismus »Zwei Hühner auf dem Weg nach vorgestern«, die Reinhard Mey vor langen Jahren so trefflich besang.
Den Mey-Text kannte ich noch gar nicht – herrlich! Ansonsten lese ich das Fräuleinwunderwerk auch nicht, Intertextualität hin oder her. Die in der Presse zitierten Passagen waren abschreckend genug. Hurz!